Kalkulationsgrundlagen in der Energieversorgung
Im Rahmen der Anreizregulierung werden die Eigenkapitalzinssätze für Strom- und Gasnetzbetreiber durch die Bundesnetzagentur neu festgelegt. Vor diesem Hintergrund und im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion über die Investitionsfähigkeit in Energienetze veröffentlicht der BDEW das von der NERA Economic Consulting erstellte Gutachten „Die kalkulatorischen Eigenkapitalzinssätze für Strom- und Gasnetze in Deutschland“ sowie das Gutachten von Prof. Dr. Ballwieser „Investitionsrechnungen für Netze im Rahmen der Anreizregulierung“.
Band 9: Investitionsrechnungen für Netze im Rahmen der Anreizregulierung
Das Gutachten analysiert, welche Konsequenzen die Vorgaben
- der Anreizregulierungsverordnung,
- der Strom- und Gasnetzentgeltverordnung sowie
- die aktuelle und erkennbare Regulierungspraxis der Bundesnetzagentur
auf die erwarteten Eigen- und Gesamtkapitalrenditen bei Neu-Investitionen in Versorgungsnetze haben. Grundlage der Ergebnisse ist ein Excel-Modell des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. Dieses erlaubt, zahlreiche Szenarien zu unterscheiden.
Die Berechnungen zeigen, dass nur bei einer vollständigen und sofortigen Überwälzbarkeit der Investitionskosten die Gesamtkapitalrenditen die gewogenen Kapitalkosten bei Strom- und Gasnetzen übersteigen. Eine vollständige Kostenüberwälzung ist in der Praxis jedoch nicht zu erwarten: Anlagen im Bau werden nicht verzinst und die Erlöse fließen zeitversetzt zurück. In keinem der realistischen Szenarien übertreffen die Renditen der Netzinvestitionen die auf Basis der Regulierung normierten Kapitalkosten. Zentraler Grund hierfür ist ein Zeitverzug im Erlösrückfluss, der einen nachteiligen Barwerteffekt erzeugt.
Um Wettbewerbsnachteile der deutschen Energiebranche und eine Kapitalabwanderung aus Deutschland zu verhindern, wäre die Erhöhung der kalkulatorischen Eigenkapitalzinsen unter Berücksichtigung von Körperschaftsteuer und Inflation auf ein im internationalen Vergleich konkurrenzfähiges Niveau erforderlich.
Der Autor ist an der Fakultät Betriebswirtschaft an der Universität München tätig und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Bundesnetzagentur.